Aufmaß & Normen

BKS Bauleistungs-Klassifikations-Schlüssel: Praxis

Was der BKS ist, wie er aufgebaut ist, wer ihn pflegt und wofür Sie ihn in der Kalkulation und Bauabrechnung brauchen.

Wer schon einmal versucht hat, ein Angebot mit dem Vorgängerangebot, einem Erfahrungswert aus dem letzten Bauvorhaben und einem Wert aus dem BKI-Baukosteninformationszentrum zu vergleichen, kennt das Problem: Jeder hat seine eigene Beschreibung, jeder eine andere Reihenfolge der Merkmale, Einheiten variieren — und am Ende vergleicht man Äpfel mit Birnen. Der Bauleistungs-Klassifikations-Schlüssel (BKS) löst genau dieses Problem: Er ist die gemeinsame Sprache, mit der Bauleistungen über AVA-Programme, Kostendatenbanken und ERP-Systeme hinweg eindeutig identifizierbar werden.

Was ist der BKS?

Der Bauleistungs-Klassifikations-Schlüssel ist ein hierarchisches Ordnungssystem für standardisierte Bauleistungs-Beschreibungen. Er wird gemeinsam vom GAEB (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen) und vom DIN entwickelt und liegt unter dem Dach des STLB-Bau (Standardleistungsbuch für das Bauwesen) vor.

Der BKS ist also kein eigenständiges, isoliertes Verzeichnis — er ist die strukturgebende Codierung des STLB-Bau. Wer das STLB-Bau nutzt, bekommt den BKS automatisch mitgeliefert; wer mit reinen Freitext-Positionen arbeitet, lässt den BKS-Nutzen liegen.

Träger des BKS ist der DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau) gemeinsam mit dem GAEB. Die Inhalte werden in Leistungsbereichen (LB) gepflegt — jeder LB deckt ein Gewerk oder einen Themenbereich ab und wird regelmäßig aktualisiert.

Verhältnis BKS und STLB-Bau

Das STLB-Bau ist die normierte Sammlung von Textbausteinen für die Leistungsbeschreibung — gegliedert nach Leistungsbereichen (LB) entlang der ATV-Reihe der VOB/C. Beispiele:

LBBezeichnung
LB 002Erdarbeiten
LB 012Mauerarbeiten
LB 013Beton- und Stahlbetonarbeiten
LB 018Estricharbeiten
LB 023Putz- und Stuckarbeiten
LB 024Fliesen- und Plattenarbeiten
LB 036Trockenbauarbeiten
LB 039Maler- und Lackierarbeiten

Jede Position im STLB-Bau hat eine Klassifikationsnummer — den BKS-Code. Diese Nummer ist über die Zeit stabil; Aktualisierungen werden über Versionsstände ausgewiesen. Wer eine LV-Position aus dem STLB-Bau übernimmt, übernimmt den BKS-Code mit.

Hierarchischer Aufbau

Der BKS-Code folgt einer mehrstufigen Hierarchie:

Leistungsbereich  (LB)
└─ Hauptgruppe
   └─ Untergruppe
      └─ Position (mit Merkmalen)

Schematisch — und mit gerundeten Stellenzahlen, weil die einzelnen Leistungsbereiche unterschiedliche Tiefen haben:

StufeBeispielBedeutung
LB018Estricharbeiten
Hauptgruppe018.013Zementestrich
Untergruppe018.013.xxnach Festigkeit/Dicke gegliedert
Position018.013.xx.yykonkrete Variante mit Merkmalen

Eine STLB-Bau-Position wird beim Verfassen der Leistungsbeschreibung über sogenannte Merkmale (auch: Attribute) genauer spezifiziert — Festigkeitsklasse, Dicke, Einbauart, Untergrund usw. Diese Merkmale sind Teil der Klassifikation und werden im Austauschformat mitgeführt.

Beispiel: Estrich CT-C25-F4, 6 cm

Stellen wir uns eine typische Position vor: Zementestrich auf Trennschicht, Festigkeitsklasse C25, Biegezugfestigkeit F4, Nenndicke 60 mm, abzurechnen in m².

Im STLB-Bau wäre das eine Position im LB 018 (Estricharbeiten), Hauptgruppe Zementestrich. Der BKS-Code dafür liegt im Bereich 018.xxx.yyy.zz — die konkrete Nummer variiert je nach STLB-Bau-Ausgabe und wird vom STLB-Bau-Editor automatisch vergeben. Wichtig für die Praxis ist: Den Code nie manuell raten, sondern aus dem STLB-Bau übernehmen — sonst kollidieren Codes über Versionsstände hinweg.

Die Position trägt nach Merkmalsausfüllung folgende Informationen:

MerkmalWert
EstrichartZementestrich (CT) nach DIN EN 13813
FestigkeitsklasseC25
BiegezugfestigkeitF4
Nenndicke60 mm
Einbauartauf Trennschicht
UntergrundStahlbetondecke
Oberflächeabgezogen
Abrechnungseinheit

Genau diese Strukturierung — Code + Merkmale — macht den BKS für Vergleiche brauchbar.

Nutzen in der Praxis

1. Einheitliche Beschreibung über AG/AN hinweg

Wenn der Auftraggeber das LV mit STLB-Bau aufbaut und der Bieter das LV im AVA-Programm öffnet, sehen beide dieselbe Position mit denselben Merkmalen. Streit über „was meint der eigentlich mit Festigkeitsklasse” entsteht gar nicht erst.

2. Vergleichbarkeit von Angeboten

Bei einer Submission lässt sich über den BKS-Code prüfen, ob alle Bieter wirklich dieselbe Leistung angeboten haben. Wenn Bieter A einen Estrich CT-C25-F4 anbietet und Bieter B einen CT-C20-F3, ist das im Freitext leicht zu übersehen — im BKS-Code ist es eindeutig.

3. Benchmarking mit Kostendatenbanken

Das BKI-Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern hält Kennwerte für Bauleistungen vor, die im STLB-Bau-Schema klassifiziert sind. Wenn die Kalkulationsposition denselben BKS-Code trägt wie die BKI-Statistik, ist der Vergleich aussagekräftig — sonst nicht.

4. ERP- und Stammdaten-Anschluss

Im Bauunternehmen ist der BKS-Code der Brückenkopf zwischen AVA und ERP. Im AVA wird kalkuliert, im ERP wird gebucht. Wenn die ERP-Materialgruppen über BKS-Codes mit den AVA-Positionen verknüpft sind, läuft die Übernahme von kalkulierten Mengen ins Bestellsystem reibungslos.

Stammdaten-Migration: BKS-Codes durch die Werkzeugkette

Eine typische Werkzeugkette in einem mittelständischen Bauunternehmen:

AVA-Programm  ──BKS──▶  Kalkulation  ──BKS──▶  ERP / Bestellung  ──BKS──▶  Nachkalkulation

An jeder Schnittstelle hängt der BKS-Code an der Position. Bei der Nachkalkulation lassen sich Ist-Kosten direkt mit Soll-Kosten der gleichen BKS-Position vergleichen — sowohl projektintern als auch projektübergreifend.

Stolperstein in der Migration: Versionsstände des STLB-Bau. Wenn ein AVA-System auf Stand 2023 läuft und ein Kalkulationsprogramm auf Stand 2025, können Codes umverteilt worden sein. Eine Mapping-Tabelle gehört zur Migrationsdokumentation.

Typische Fehler in der Praxis

Veraltete Codes weiterführen

Wenn ein Code im aktuellen STLB-Bau nicht mehr existiert, weil die Position aufgespalten oder zusammengeführt wurde, fehlt in der Kostendatenbank der Anker. Folge: Benchmarking nicht möglich, Datenpflege wird teurer.

Falsche Disambiguierung der Merkmale

Eine BKS-Position ohne korrekt gesetzte Merkmale ist wie eine Hausnummer ohne Straße — der Code stimmt formal, aber er identifiziert nicht eindeutig. Beispiel: BKS-Code für „Putz” ohne Festlegung von Bindemittel, Korngröße und Dicke ist wertlos für die Kalkulation.

Falsche Mengeneinheit

Manche Positionen sind sowohl in m² als auch in m³ darstellbar, je nach Merkmalsausprägung. Wer in der LV-Position m² wählt, aber im Aufmaß m³ rechnet, produziert eine sachlich falsche Rechnung — § 14 Abs. 2 VOB/B.

Eigene Codes neben BKS

Manche Unternehmen pflegen parallel zur BKS-Klassifikation noch hauseigene Artikelnummern. Das ist okay, solange beide Codes eindeutig miteinander verknüpft sind. Wird die Verknüpfung lasch gepflegt, hat man am Ende zwei Wahrheiten und keiner weiß, welche gilt.

BIM-Anbindung: BKS als Property im IFC-Modell

Mit BIM (Building Information Modeling) wird der BKS-Code zur Property im IFC-Modell. In einem Property Set (PSet) — z.B. Pset_VergabeBaugewerk — kann an jedem Bauteil der zugehörige BKS-Code hinterlegt werden.

Vorteil: Aus dem IFC-Modell lässt sich automatisiert eine LV-Vorlage erzeugen, in der jedes Bauteil mit seiner BKS-Position verknüpft ist. Mengen werden aus der Geometrie ermittelt, Position und Beschreibung kommen aus dem STLB-Bau — die klassische Schnittstelle zwischen Modell und Ausschreibung.

In der Praxis sieht das so aus, dass Modellersteller in der Modellierungssoftware ein Property BKS_Klassifikation pflegen, das beim Export ins IFC mitgeschrieben wird. AVA-Programme, die IFC importieren, können dieses Property auswerten und die zugehörige STLB-Bau-Position einbinden.

Typische BKS-Hauptgruppen und Gewerk-Zuordnung

LBBezeichnungATV-Bezugtypische Gewerke
002ErdarbeitenDIN 18300Tiefbau, Roh- und Tiefbau
008WasserhaltungsarbeitenDIN 18305Tiefbau
009EntwässerungsarbeitenDIN 18306Tiefbau
012MauerarbeitenDIN 18330Rohbau
013Beton- und StahlbetonarbeitenDIN 18331Rohbau
016Zimmer- und HolzbauarbeitenDIN 18334Holzbau
018EstricharbeitenDIN 18353Estrich/Bodenleger
020StahlbauarbeitenDIN 18335Stahlbau
021DachdeckungsarbeitenDIN 18338Dach
022KlempnerarbeitenDIN 18339Klempner
023Putz- und StuckarbeitenDIN 18350Putz
024Fliesen- und PlattenarbeitenDIN 18352Fliesen
025Estricharbeiten/BodenbelagDIN 18365Bodenbeläge
036TrockenbauarbeitenDIN 18340Trockenbau
039Maler- und LackierarbeitenDIN 18363Maler
042Wärmedämm-VerbundsystemeDIN 18345Fassade

Die LB-Nummern sind nicht in jedem Schema durchgängig dreistellig vergeben, und es gibt LBs für Sonderbereiche wie Aufzug- oder Fassadentechnik. Wer mit STLB-Bau arbeitet, hat das vollständige LB-Verzeichnis als Inhaltsverzeichnis vorliegen — die obige Tabelle deckt die Bereiche ab, die in Hochbau-Projekten am häufigsten vorkommen.

Wie Vergabescanner BKS-Daten nutzt

Wer ein eingelesenes Leistungsverzeichnis ohne STLB-Bau-Codes vor sich hat — was bei kommunalen Ausschreibungen häufig vorkommt — steht vor der Aufgabe, jeden Freitext einer Klassifikation zuzuordnen. Vergabescanner ordnet automatisiert erkannten Positionen die wahrscheinlichste BKS-Klasse zu, sodass spätere Kalkulations- und Benchmark-Schritte auf einer einheitlichen Klassifikation aufsetzen können. Die endgültige Klassifizierungsentscheidung trifft natürlich der Kalkulator — die Vorklassifikation spart aber den ersten manuellen Sortier-Schritt.

FAQ

Brauche ich BKS, wenn ich eh mit STLB-Bau arbeite?

Ja, weil der BKS der technische Identifikator der STLB-Bau-Position ist. Wenn Sie das STLB-Bau einsetzen, nutzen Sie den BKS automatisch — er ist im Datenmodell mitgeliefert.

Kann ich BKS-Codes selbst vergeben?

Nein. Die BKS-Hoheit liegt beim GAEB/DIN. Eigene firmeninterne Klassifikationen sind möglich, dürfen aber nicht denselben Namensraum nutzen, sonst entsteht Verwirrung mit dem offiziellen BKS.

Was passiert mit BKS-Codes bei einer STLB-Bau-Aktualisierung?

Aktualisierungen werden über Versionsstände dokumentiert. Geänderte oder aufgespaltene Positionen erhalten neue Codes; die alten bleiben in den Migrationshinweisen erhalten. Wer Kostendaten über Jahre pflegt, muss diese Migrationen mitführen — sonst läuft die Historie auseinander.

Hat der BKS etwas mit der GAEB-Datei zu tun?

Beide kommen aus dem GAEB-Umfeld, sind aber unterschiedliche Dinge: GAEB-DA-Dateien sind das Austauschformat für Leistungsverzeichnisse. Der BKS ist die Klassifikation einer einzelnen Position. In einer GAEB-DA-XML-Datei kann der BKS-Code als Klassifikationsattribut der Position mitgeführt werden.

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