Gewerke-Spezifika

Estricharbeiten kalkulieren: BKS, Massen, Stunden

Wie Estrichleger ihre Angebote sauber kalkulieren — Zement-, Calcium-, Anhydrit-Estrich, Dämmung, Randdämmstreifen und realistische Stundenwerte pro m².

Estrich ist eines der Gewerke, in dem schnell richtig Geld liegen bleibt — oder verloren geht. Wer auf 800 m² Wohnfläche den Randdämmstreifen vergisst, einen falschen Verschnitt einrechnet oder den Stundenansatz für die Estrichpumpe daneben legt, schreibt am Ende ein Minus-Angebot, obwohl die Position formal alle Zeilen enthält. Dieser Artikel fasst zusammen, wie wir aus der Praxis heraus Estrich-LVs lesen und kalkulieren — von der ATV bis zu konkreten EUR-Bandbreiten 2026.

ATV DIN 18353 Estricharbeiten — das Pflichtprogramm

Die ATV DIN 18353 ist die Allgemeine Technische Vertragsbedingung für Estricharbeiten in der VOB/C. Sie regelt unter anderem:

  • Anwendungsbereich: Estriche auf Trennlage, schwimmend, im Verbund oder als Heizestrich.
  • Stoffe und Bauteile: Verweis auf DIN EN 13813 (Estrichmörtel und Estrichmassen) und DIN 18560 (Estriche im Bauwesen).
  • Ausführung: Schichtdicken, Festigkeitsklassen, Ebenheitstoleranzen nach DIN 18202.
  • Nebenleistungen (die ohne Extra-Position drin sein müssen): Reinigen des Untergrunds, Schutz angrenzender Bauteile, Randdämmstreifen bis 8 mm.
  • Besondere Leistungen (die extra ausgeschrieben werden müssen): erhöhte Anforderungen an Ebenheit, Vorbereitung schadhafter Untergründe, Bewehrungseinlagen, Heizestrich-Funktionsheizen.

Wer Position für Position prüfen will: die Übermessungsregeln aus DIN 18299 Allgemeine Regelungen und DIN 18353 Abschnitt 5 entscheiden im Streitfall darüber, ob Pfeiler übermessen werden dürfen — wirtschaftlich oft drei- bis vierstellig.

Estrich-Typen im Überblick

KurzBindemittelTypischer EinsatzStärkenSchwächen
CTZementWohnungsbau, Gewerbe, Außenfeuchteunempfindlich, robustlangsame Trocknung, Schwinden
CACalciumsulfat (Anhydrit)Wohnungsbau Heizestrichflächeneben, schnell verlegtfeuchteempfindlich, nicht außen
MAMagnesiaIndustrie, historischhart, abriebfestsehr feuchteempfindlich
ASGussasphaltGewerbe, Industrie, Estrich auf Holzsehr schnell belastbar, fugenlosHeißverarbeitung, Temperatur
SRKunstharzIndustrie, Reinräumechemisch beständigteuer, dünn

Im Wohnungsbau dominieren CT-Estrich (klassisch schwimmend) und CA-Fließestrich (als Heizestrich besonders verbreitet, weil die Heizrohre besser eingebettet werden).

Festigkeitsklassen — die Klassifizierung nach EN 13813

Die Bezeichnung folgt dem Muster Bindemittel-C(Druck)-F(Biegezug):

  • CT-C25-F4: Standard im Wohnungsbau (25 N/mm² Druck, 4 N/mm² Biegezug).
  • CT-C30-F5: Gewerbe, leichte Belastung.
  • CT-C35-F7 und höher: Industrie, Stapler-Verkehr.

Eine F5-Klasse anzubieten, wo F4 gefordert ist, kostet ohne Not Geld. Umgekehrt: Wer F4 anbietet, wo F5 verlangt wurde, riskiert die Nachbesserung auf eigene Kosten.

Aufbau und Dämmung nach DIN 18560

DIN 18560-2 (schwimmend, Wohnungsbau) verlangt eine Mindestaufbauhöhe je nach Festigkeit und Belastung. Faustregel:

  • CT-C25-F4 schwimmend: mindestens 45 mm Nenndicke, Standard 50–60 mm.
  • CA-F4 schwimmend: mindestens 35 mm Nenndicke (CA verlegt sich flacher).
  • Heizestrich CT: Überdeckung Heizrohr mindestens 45 mm.
  • Heizestrich CA: Überdeckung mindestens 35 mm.

Die Dämmung darunter ist die zweite Geld-Position: typischerweise Trittschalldämmplatten (TSP) mit dynamischer Steifigkeit s’ ≤ 30 MN/m³ — DEO/DES nach DIN EN 13162. 30 mm oder 40 mm sind im Wohnungsbau Standard. Bei Erdgeschoss gegen unbeheizt kommt eine WLG-035-EPS-Wärmedämmung dazu.

Kalkulationsbeispiel: CT-C25-F4, 6 cm schwimmend, 30 mm TSP

Eine 200-m²-Wohnung soll Estrich CT-C25-F4 in 6 cm Schwimmend auf 30 mm Trittschalldämmplatte bekommen. So sieht eine ehrliche Kalkulation aus (Bandbreiten Frühjahr 2026):

PositionMengeEPSumme
Zementestrich CT 6 cm Material200 m²10–14 EUR/m²2.000–2.800 EUR
TSP DEO/DES 30 mm200 m²5–7 EUR/m²1.000–1.400 EUR
Randdämmstreifen 8 mm90 lfm0,80 EUR/lfm72 EUR
PE-Folie (Trennlage)200 m²0,40 EUR/m²80 EUR
Lohn 0,35 Std/m² × 55 EUR/h200 m²19,25 EUR/m²3.850 EUR
EKT vor Zuschlägen7.000–8.200 EUR

Auf die Einzelkosten der Teilleistung (EKT) kommen die üblichen Zuschläge:

  • Baustellengemeinkosten (BGK): rund 8 %.
  • Allgemeine Geschäftskosten (AGK): rund 9 %.
  • Wagnis und Gewinn (WuG): rund 6 %.

Multiplikativ ergibt das einen Gesamtzuschlag von ca. 25 % (1,08 × 1,09 × 1,06 ≈ 1,248). Die EKT von ~7.500 EUR werden so zu einem Angebotspreis von etwa 9.400 EUR netto — also rund 47 EUR/m². Das deckt sich mit dem, was am Markt für saubere CT-Schwimmestriche im Wohnungsbau bezahlt wird.

Typische Bandbreiten EUR/m² Material plus Lohn

EstrichartAufbauMaterial + Lohn (EUR/m²)
CT-C25-F4 schwimmend 5–6 cminkl. 30 mm TSP38–55
CA-Fließestrich 4,5 cminkl. 30 mm TSP35–50
CT-Heizestrich 7 cminkl. Rohre, ohne Verteiler55–75
AS-Gussasphalt IC 10im Gewerbe50–80
SR-Reaktionsharz 2 mmIndustrie60–110

Die Bandbreite hängt stark ab von Fläche (ab 500 m² wird die Pumpe wirtschaftlich), Geschosshöhe, Zugänglichkeit und ob Material per Silowagen oder im Sack geliefert wird.

Pitfalls aus der Praxis

  1. Randdämmstreifen als „Nebenleistung” vergessen — ist nach ATV bis 8 mm Nebenleistung, alles darüber separat auszuschreiben. Bei Heizestrichen mindestens 8 mm Pflicht (Ausdehnung).
  2. Aufmaß ohne korrekte Übermessungsregel — Pfeiler bis 0,1 m² Grundfläche werden nach DIN 18299 übermessen. Wer einzeln abzieht, verschenkt Quadratmeter.
  3. Trocknungszeit vs. Bauablauf — CT-Estrich braucht etwa 1 cm pro Woche Trocknung. Wenn der GU am Tag 14 Fliesen will, ist das ein Mangel, kein Vorgriff.
  4. Heizestrich ohne Funktionsheizen kalkuliert — DIN EN 1264-4 verlangt das Funktionsheizen, das ist eine Besondere Leistung und gehört in eine eigene Position.
  5. Fugenplan nicht eingerechnet — Bewegungsfugen alle 6 m, Türschwellen, Materialwechsel. Schneiden oder kellen kostet Stunden.
  6. Estrichlieferung im Hochhaus — ab dem 4. OG steigt die Pumpenleistung und damit die Standzeit; Faktor 1,2–1,4 auf den Lohnansatz.

Stundenansätze: was ist realistisch?

Für CT-Estrich im Wohnungsbau gehen wir von folgenden Lohnminuten aus:

  • Pumpenfähig, ab 100 m² am Stück: 18–25 Min/m² inkl. Abziehen.
  • Klein, verwinkelt, < 30 m² Einzelräume: 30–45 Min/m².
  • Heizestrich mit Rohrverlegung: zusätzlich 15–25 Min/m² für die Verlegung.
  • Glätten Q3/Industrie: zusätzlich 10–20 Min/m².

Bei einem mittleren Stundenverrechnungssatz (SVS) von 50–60 EUR/h ergibt das die oben genannten Lohnpreise von 15–30 EUR/m².

Wer LVs mit hunderten Positionen schnell durchgehen und sauber Mengen, Festigkeitsklassen und Aufbauten extrahieren will, kommt ohne digitale Unterstützung kaum noch durch — genau dafür gibt es Tools wie Vergabescanner, die Mengen, BKS-Codes und Materialvorgaben direkt aus dem LV ziehen und mit eigenen Stundenansätzen verknüpfen.

FAQ

Was unterscheidet CT- und CA-Estrich in der Kalkulation?

CA-Fließestrich verlegt sich schneller (eine Kolonne schafft 800–1.200 m²/Tag statt 300–500 m² bei CT), ist aber feuchteempfindlich und teurer im Materialeinkauf. Im Heizestrich-Wohnungsbau ist CA wegen besserer Wärmeleitung und Ebenheit oft die wirtschaftlichere Wahl.

Welche Ebenheitstoleranzen gelten?

Standard ist DIN 18202 Tabelle 3, Zeile 3 (Flächenfertige Oberseiten, nicht erhöht): 4 mm auf 1 m, 10 mm auf 4 m. „Erhöhte Anforderungen” nach Zeile 4 (3 mm/1 m, 9 mm/4 m) sind eine Besondere Leistung und müssen ausdrücklich ausgeschrieben sein.

Wie hoch ist der Verschnitt bei Dämmplatten?

Im rechteckigen Wohnungsbau 3–5 %. Bei verwinkelten Grundrissen mit vielen Schrägen 7–10 %. Im LV oft mit pauschal 5 % einkalkuliert — wer das überprüft, gewinnt Marge zurück.

Wann ist Funktionsheizen einzukalkulieren?

Bei jedem Heizestrich vor dem Belag. DIN EN 1264-4 schreibt das vor, DIN 18560-2 verweist darauf. Aufheizprotokoll inkl. CM-Messung am Ende ist Teil der Übergabe. Ohne saubere Belegungsreife haftet der Estrichleger für den Belag mit.

EstrichKalkulationDIN 18353CTCA

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