SHK-Angebote im Mehrfamilienhaus sind ein Sonderfall in der Kalkulation: einerseits hochstandardisierte Bauteile (Heizkörper, WCs, Mischer), andererseits enorm projektabhängige Detailwerte (Steigleitungslängen, Wärmeerzeugertyp, hydraulischer Abgleich, Schachtsituation). Wer mit „pro-Wohneinheit-Pauschalen” hantiert, ohne die Eingangsparameter zu prüfen, gewinnt mal — und verliert mal richtig. Dieser Artikel zeigt, wie wir SHK-Angebote im Wohnungsbau aufbauen.
Die relevanten ATV-DIN
Für Sanitär- und Heizungsarbeiten greifen vor allem zwei ATV:
- ATV DIN 18380 — Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen: regelt Wärmeerzeuger, Verteiler, Heizflächen, Steuerung, Inbetriebnahme, hydraulischen Abgleich, Funktionsprobe.
- ATV DIN 18381 — Gas-, Wasser- und Entwässerungs-Installationen: regelt Trinkwasser-Installation (kalt/warm), Gas-Installation, Abwasserleitungen innerhalb des Gebäudes, Sanitärobjekte.
Dazu kommen technische Normen wie DIN EN 12831 (Heizlastberechnung), DIN EN 806 (Trinkwasser-Installation), DIN 1988-200/300, DVGW-Arbeitsblätter (W 551 Legionellenprävention) und das GEG (Gebäudeenergiegesetz) inklusive EnSimiMaV (Energieeinspar-Mittelfristmaßnahmen) — letzteres macht den hydraulischen Abgleich Verfahren B verpflichtend.
Pro-WE-Kalkulation: was gehört rein?
Eine typische MFH-Wohnung mit 70–90 m² enthält im Standardausbau:
Sanitär
- 1 WC (Wand-WC mit Vorwandinstallation oder Boden-WC).
- 1 Waschtisch in Bad.
- 1 Dusche oder Badewanne.
- 1 Küchenanschluss (Spüle inkl. Geräteanschluss Geschirrspüler).
- Ggf. 1 Anschluss Waschmaschine.
- Trinkwasser kalt/warm bis zum Wohnungs-Verteiler, Abwasser zum Fallstrang.
Heizung Inneninstallation
- 6–8 Heizkörper oder gleichwertige Flächenheizung.
- Strangregulierventile, Heizkörperthermostatventile mit Voreinstellung.
- Anbindung an den Steigstrang im Wohnungsverteiler oder am Wärmemengenzähler.
- Hydraulischer Abgleich Verfahren B (nach EnSimiMaV verpflichtend in MFH ab 6 WE).
Was nicht zur „pro-WE-Pauschale” gehört
- Wärmeerzeuger (Kessel, WP, Fernwärmeübergabe) — anteilig oder als eigene Position.
- Pufferspeicher, Trinkwarmwasserspeicher.
- Steigleitungen (Heizung + Trinkwasser) im Schacht.
- Lüftungsanlage (separat ATV DIN 18379).
- Schornstein, Abgasführung.
Beispielbandbreiten 2026 — Inneninstallation pro WE
Für eine MFH-Wohnung von 70 m² mit Standardausstattung:
| Gewerk | Bandbreite je WE |
|---|---|
| Sanitärinstallation inkl. Sanitärobjekten | 14.000–18.000 EUR |
| Heizung Inneninstallation (ohne Erzeuger) | 6.000–10.000 EUR |
| Zwischensumme Inneninstallation | 20.000–28.000 EUR |
| anteilige Steigstränge + Hauptverteilung | 4.000–7.000 EUR |
Bei größeren Wohnungen (90 m², 3,5 Zimmer) liegen die Werte ca. 10–15 % höher, vor allem wegen mehr Heizkörpern und größerer Bäder.
Wärmeerzeuger — die zentrale Position
Im MFH-Neubau 2026 dominieren drei Lösungen:
- Gas-Brennwert + Solar (im Bestand, weniger im Neubau wegen GEG).
- Wärmepumpe Luft-Wasser, kaskadiert: 2–4 Einheiten à 12–16 kW.
- Fernwärme mit Übergabestation.
Wärmepumpe Luft-Wasser für ein typisches 8-WE-Haus (Heizlast ca. 35–50 kW):
| Position | Bandbreite |
|---|---|
| WP-Außeneinheit(en) inkl. Innengeräten | 22.000–32.000 EUR |
| Pufferspeicher 800–1.500 l | 2.500–4.500 EUR |
| Trinkwarmwasserspeicher 500 l oder Frischwasserstation | 3.500–6.500 EUR |
| Hydraulik inkl. Pumpen, Ventile, Verteiler | 4.500–8.000 EUR |
| Elektrik, Steuerung, Smart-Meter-Anbindung | 2.500–5.000 EUR |
| Montage, Inbetriebnahme, Hochlast-Programmierung | 6.000–10.000 EUR |
| Summe Wärmeerzeuger | 40.000–66.000 EUR |
Aufgeteilt auf 8 WE sind das ca. 5.000–8.300 EUR/WE allein für den Wärmeerzeuger — pro WE-Pauschalen müssen das berücksichtigen, sonst kalkuliert man systematisch zu niedrig.
Stundenansätze
Für die Inneninstallation einer Standard-WE rechnen wir mit:
- Sanitärrohbau (Vorwand, Schlitze, Steiger, Kalt-/Warmwasser, Abwasser): 30–45 Std/WE.
- Sanitärfeinmontage (WC, WT, Dusche/BW, Küche): 15–25 Std/WE.
- Heizung-Verteilung + Heizkörper: 18–30 Std/WE.
- Inbetriebnahme inkl. hydraulischer Abgleich (anteilig): 4–8 Std/WE.
Bei einem SVS von 60–75 EUR/h ergibt das einen Lohnanteil von 4.000–8.000 EUR/WE — was zu den oben genannten Gesamtkosten passt.
Hydraulischer Abgleich — kein Add-On, sondern Pflicht
Seit der EnSimiMaV (zuletzt verlängert/präzisiert) ist der hydraulische Abgleich Verfahren B Pflicht für MFH ab 6 WE und EFH mit Gas-/Ölheizungstausch. „Verfahren B” heißt: raumweise Heizlastberechnung nach vereinfachtem oder vollem Verfahren, Auslegung jedes Heizkörpers, Voreinstellung jedes Thermostatventils.
Kalkulatorisch sind das je nach Verfahren:
- Vereinfachte Heizlastberechnung (überschlägig): 200–400 EUR je WE.
- Volle Heizlastberechnung DIN EN 12831: 400–800 EUR je WE.
- Voreinstellung am Ventil und Dokumentation: 30–60 Min pro Heizkörper.
Wer den Abgleich nicht als eigene Position einrechnet, kalkuliert das Pflichtprogramm gegen das eigene Honorar.
Pitfalls aus der Praxis
- Fußbodenheizung-Verteiler vergessen — der „Tichelmann-Verteiler” mit Anbindungen, Ventilen und Stellantrieben kostet pro WE 800–1.500 EUR Material plus Montage.
- Brandschutzschotts — Schächte mit Trinkwasser/Heizung/Abwasser müssen geschottet werden (DIN 4102-9, MLAR). 80–250 EUR pro Schott, je Geschoss schnell vierstellig.
- Schallschutz Sanitär — DIN 4109 mit erhöhten Anforderungen verlangt Körperschall-Entkoppelung an Vorwandsystemen, Spülrohren, Abwasserrohren. Schallentkoppelte Vorwand-Sets sind 50–100 EUR teurer pro Stück.
- Spülung Trinkwasserleitungen — DIN EN 806-4 / DVGW W 557 verlangen Spülung mit Spülprotokoll vor Inbetriebnahme. Personalkosten + Wasserkosten.
- Legionellenprüfung — bei zentralen Trinkwarmwasseranlagen über 400 l Speicher oder > 3 l Inhalt zwischen Erzeuger und Entnahmestelle: Probenahmeventile vorsehen (DVGW W 551).
- Lüftungsanlage — gerne im LV als Nebenposition versteckt, ist ein eigenes Gewerk (DIN 18379) und braucht eigene Kalkulation.
- Wallbox-Anschluss / Photovoltaik-Vorrüstung — gehören nicht zu SHK, werden aber gerne in den SHK-LV gerutscht.
- Förderfähigkeit (BAFA/KfW) — Heizungstausch fördert das BAFA mit bis zu 30 % (+Boni). Eigene Position „Fachunternehmererklärung + Energieeffizienz-Experte (EEE) Bestätigung” einplanen.
Bei MFH-LVs mit 20+ WE wird die Mengen- und Kostenkontrolle pro Wohnung schnell unübersichtlich. Vergabescanner liest die Sanitär- und Heizungspositionen aus dem LV, gruppiert sie nach WE und macht Pro-WE-Kennzahlen direkt vergleichbar.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Heizlastberechnung Vollverfahren und vereinfachtem Verfahren?
Das Vollverfahren nach DIN EN 12831-1 berechnet die Heizlast raumweise unter Berücksichtigung aller U-Werte, Luftwechsel, Aufheizleistung. Das vereinfachte Verfahren (häufig nach DIN/TS 12831-1-Anhang oder „Verfahren A nach EnSimiMaV”) arbeitet mit Quadratmeter-Faktoren je Gebäudetyp. Verfahren A reicht für Bestandsanlagen mit einfachen Anforderungen; im Neubau und bei Wärmepumpen sollte immer Vollverfahren gerechnet werden.
Wie kalkuliere ich eine Wohneinheit, wenn die Wohnungsgröße noch unklar ist?
Mit einer dreistufigen Bandbreite arbeiten: Basis (60–75 m², 1 Bad), Komfort (75–95 m², 1 Bad + Gäste-WC), Premium (>95 m², 2 Bäder). Im Angebot Pauschalen pro Stufe ausweisen und explizit auf die Voraussetzungen Bezug nehmen.
Welche Förderung gilt 2026 für Wärmepumpen im MFH?
BEG-EM (Bundesförderung effiziente Gebäude — Einzelmaßnahmen) fördert den Heizungstausch mit 30 % Grundförderung; 5 % Klimageschwindigkeitsbonus (bis 2028); 5 % Effizienz-Bonus für natürliche Kältemittel; 30 % Einkommensbonus bei selbstgenutztem Wohneigentum unter 40.000 EUR Haushaltseinkommen. Maximal 70 % bei förderfähigen Kosten bis 30.000 EUR (EFH) bzw. gestaffelt bei MFH. Für MFH-Vermieter gelten andere Sätze — die genauen Konditionen sollten vor Angebotsabgabe geprüft werden, da Programme regelmäßig angepasst werden.
Reicht eine Frischwasserstation statt eines Trinkwarmwasserspeichers?
Im MFH oft die bessere Lösung: keine Legionellen-Pflichtprüfung, kompaktere Anlage, dynamische Bereitstellung. Voraussetzung ist ausreichende Vorhaltung (Pufferspeicher) und Spitzen-Leistung. Bei mehr als 8–10 gleichzeitig zapfenden WEs wird die Auslegung anspruchsvoll und sollte mit dem Hersteller abgestimmt werden.