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33.000 öffentliche Ausschreibungen ausgewertet: Wo die Bauaufträge 2026 sind

Auswertung von 33.482 gelisteten Vergaben (Stand Juli 2026): Welche Gewerke am meisten ausgeschrieben werden, welche Bundesländer vorn liegen, welche Verfahren dominieren — und wie knapp die Fristen wirklich sind.

Wo lohnt sich das Bieten? Welche Gewerke werden am häufigsten ausgeschrieben, welche Bundesländer vergeben am meisten, und wie viel Zeit bleibt zwischen Bekanntmachung und Abgabe? Wir haben unseren kompletten Datenbestand ausgewertet: 33.482 aktuell gelistete amtliche Bekanntmachungen — davon 11.636 mit laufender Angebotsfrist (Stand 24.07.2026).

Das ist keine Umfrage und keine Schätzung, sondern die Auszählung echter Bekanntmachungen. Alle Zahlen unten stammen aus diesem Bestand.

Datenbasis und Methodik

Damit die Zahlen richtig eingeordnet werden können, vorab die Grundlage:

  • Quellen: amtliche Bekanntmachungen aus Bundes- und Länderportalen, dem Bekanntmachungsservice (BKS) und TED (EU-weite Vergaben).
  • Bestand: rollierend — abgelaufene Ausschreibungen werden nach einiger Zeit entfernt. Die Auswertung ist also ein Schnappschuss des aktuellen Markts, keine Jahresstatistik.
  • Gewerk-Zuordnung: automatisiert anhand von CPV-Codes und Inhalten. 9.037 Gewerk-Zuordnungen sind eindeutig (Mehrfachnennung möglich); der große Rest der Bekanntmachungen — etwa Liefer- und Dienstleistungen außerhalb des Bauhandwerks — bleibt „unbestimmt” und fließt in die Gewerke-Tabelle nicht ein.
  • Regionale Zuordnung: näherungsweise über Postleitzahl-Bereiche. An Ländergrenzen überschneiden sich PLZ-Gebiete — Details in den Fußnoten der Tabelle.

Welche Gewerke am meisten ausgeschrieben werden

Von den eindeutig zugeordneten Bau-Ausschreibungen entfällt jede fünfte auf Tiefbau und GaLaBau — Erd-, Kanal- und Pflasterarbeiten sind das Brot-und-Butter-Geschäft der öffentlichen Hand. Dahinter folgen Elektro und Rohbau:

RangGewerkZuordnungenAnteil
1Tiefbau & GaLaBau1.80920,0 %
2Elektro1.18713,1 %
3Rohbau / Betonarbeiten1.01911,3 %
4Fenster & Türen8339,2 %
5SHK7478,3 %
6Dach & Fassade4905,4 %
7Metallbau & Stahlbau4454,9 %
8Bodenbelag3604,0 %
9Abbruch / Rückbau3403,8 %
10Zimmerer / Holzbau3053,4 %
11Trockenbau2913,2 %
12Maler & Lackierer2212,4 %
13Fliesen1982,2 %
14Gerüstbau1962,2 %
15Putzarbeiten1842,0 %
16Aufzüge1131,3 %
17Estrich1081,2 %
18Schreiner / Tischler1041,2 %
19Mauerarbeiten650,7 %
20Rollladen / Sonnenschutz220,2 %

Bemerkenswert ist die Breite des Mittelfelds: Auch vermeintliche Nischen wie Gerüstbau, Aufzüge oder Estrich kommen auf dreistellige Zahlen — genug, um als spezialisierter Betrieb kontinuierlich passende Verfahren zu finden.

Welche Bundesländer am meisten vergeben

20.513 Bekanntmachungen ließen sich über die Postleitzahl einem Bundesland zuordnen. Das Bild ist deutlich:

RangBundeslandBekanntmachungenAnteil
1Nordrhein-Westfalen¹6.16230,0 %
2Bayern2.27411,1 %
3Baden-Württemberg1.8138,8 %
4Berlin1.7258,4 %
5Niedersachsen1.5697,6 %
6Hessen1.3886,8 %
7Sachsen-Anhalt9774,8 %
8Brandenburg8604,2 %
9Mecklenburg-Vorpommern²8294,0 %
10Hamburg²7353,6 %
11Rheinland-Pfalz (inkl. Saarland)³7053,4 %
12Sachsen6583,2 %
13Thüringen3911,9 %
14Bremen3071,5 %
15Schleswig-Holstein²1200,6 %

¹ NRW ist zusätzlich mit einem eigenen Landesportal als Quelle angebunden — der Wert ist dadurch vollständiger erfasst als bei anderen Ländern. ² PLZ-Gebiete rund um Hamburg überschneiden sich mit Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern; Schleswig-Holstein wird dadurch unter-, die Nachbarn werden leicht übererfasst. ³ Das Saarland teilt sich den PLZ-Bereich 66 mit Rheinland-Pfalz und wird hier mitgezählt.

Zwei Beobachtungen: Berlin vergibt gemessen an seiner Größe außerordentlich viel — Platz 4 vor Niedersachsen und Hessen. Und Sachsen-Anhalt liegt mit knapp 1.000 Bekanntmachungen vor deutlich größeren Ländern. Wer dort ansässig ist oder Aufträge im Umkreis sucht, findet überdurchschnittlich viel Auswahl je Wettbewerber.

Verfahren: Das offene Verfahren dominiert

Bei 22.626 Bekanntmachungen ist die Verfahrensart maschinenlesbar hinterlegt:

VerfahrensartAnteil
Offenes Verfahren / Öffentliche Ausschreibung60 %
Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb24 %
Nicht offenes Verfahren / Beschränkte Ausschreibung2 %
Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb< 1 %
Sonstige14 %

Für Bieter ist das eine gute Nachricht: In 6 von 10 Verfahren kann jeder Betrieb direkt ein Angebot abgeben — ohne vorherigen Teilnahmewettbewerb, ohne auf eine Einladung angewiesen zu sein. Der Einstieg ins öffentliche Geschäft scheitert seltener am Zugang als am Aufwand der Angebotsbearbeitung.

Ober- oder unterschwellig? EU-Vergaben überwiegen — noch

Wo der Schwellenwert-Status hinterlegt ist (22.778 Bekanntmachungen), entfallen 61 % auf EU-weite (oberschwellige) und 39 % auf nationale (unterschwellige) Verfahren. Beim Rechtsrahmen führen entsprechend VgV (10.716) und VOB/A (6.059) vor SektVO (1.762) und UVgO (496).

Der Unterschwellenbereich ist damit heute noch deutlich untererfasst — viele kleine Kommunen veröffentlichen verstreut oder gar nicht zentral. Genau das ändert sich: Mit der ab 1. Oktober 2026 greifenden Übermittlungspflicht an den Datenservice Öffentlicher Einkauf werden Unterschwellenvergaben zentral auffindbar. Der sichtbare Markt wird also wachsen — gerade in dem Segment, das für kleinere Handwerksbetriebe am relevantesten ist.

Fristen: Der Median liegt bei 31 Tagen — jede siebte Frist ist knapper als drei Wochen

Für 17.189 Bekanntmachungen liegen sowohl Veröffentlichungsdatum als auch Angebotsfrist vor. Das Ergebnis:

  • Median: 31 Tage zwischen Bekanntmachung und Abgabetermin
  • 14 % der Verfahren lassen weniger als 21 Tage — jede siebte Ausschreibung

Ein Monat klingt komfortabel, ist es aber nicht: Unterlagen sichten, Eignung prüfen, Nachunternehmer anfragen, Leistungsverzeichnis kalkulieren, Formblätter ausfüllen — wer die Ausschreibung erst eine Woche nach Veröffentlichung entdeckt, arbeitet bereits unter Druck. Bei den knappen Fristen unter drei Wochen entscheidet die Reaktionszeit faktisch über die Teilnahme. Zwei Konsequenzen aus den Daten: Früh finden (nicht erst, wenn die Frist halb abgelaufen ist) und schnell prüfen können (nicht drei Tage in die erste Sichtung investieren, die dann doch zur Absage führt).

Wie dynamisch der Markt ist

In den letzten Wochen kamen jeweils rund 3.500 bis 3.700 neu erfasste Bekanntmachungen pro Woche in den Bestand — etwa 500 pro Werktag. Der öffentliche Markt ist kein statisches Schwarzes Brett, sondern ein täglicher Strom neuer Gelegenheiten, von der Kita-Sanierung bis zum Autobahn-Los.

Fazit: Der Markt ist groß, verteilt — und schnell

Drei Dinge nehmen wir aus der Auswertung mit:

  1. Für jedes Gewerk ist Volumen da. Tiefbau, Elektro und Rohbau führen, aber auch Nischen-Gewerke finden kontinuierlich Verfahren.
  2. Regionale Unterschiede sind groß. NRW, Bayern und BW stellen die Masse; Berlin und Sachsen-Anhalt bieten gemessen an ihrer Größe besonders viel.
  3. Zeit ist der begrenzende Faktor. 31 Tage Median-Frist — minus Entdeckungsverzögerung, minus Prüfaufwand. Wer systematisch sucht und schnell bewertet, bietet auf mehr Verfahren als der Wettbewerb.

Methodik-Hinweis: Alle Zahlen beruhen auf dem Vergabescanner-Datenbestand zum Stichtag 24.07.2026 (33.482 gelistete amtliche Bekanntmachungen). Gewerk- und Regions-Zuordnungen sind automatisiert und näherungsweise; Prozentwerte beziehen sich jeweils auf die Teilmenge mit vorhandener Angabe. Bei Übernahme der Zahlen freuen wir uns über eine Quellenangabe mit Link.

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Die ausgewerteten Bekanntmachungen sind keine Statistik von gestern: Vergabescanner listet sie tagesaktuell — filterbar nach Gewerk, PLZ-Umkreis und Frist, mit KI-Analyse der Unterlagen.

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