Gewerke-Spezifika

Trockenbau-Kalkulation: GK-Wände, Decken und Vorsatzschalen

Wie Trockenbauer realistisch kalkulieren — Ständerwerk, GKB/GKF/GKBI-Platten, Dämmung und Stundenansätze für die häufigsten Konstruktionen.

Trockenbau ist auf den ersten Blick simpel: Profile, Platten, Dämmung, Spachtel. In Wahrheit ist es das Gewerk mit den meisten Detail-Fallen pro Quadratmeter — Spachtelqualität, Brandschutzanforderung, Trennwandtyp, Q-Stufen, Stoßfugen, Direktabhängung versus Hängestiel. Wer hier nicht sauber kalkuliert, verliert pro Wohnung schnell vierstellig. Dieser Artikel zeigt, wie wir Trockenbau-LVs realistisch ansetzen.

ATV DIN 18340 Trockenbauarbeiten

Die ATV DIN 18340 regelt unter anderem:

  • Anwendungsbereich (Wände, Decken, Vorsatzschalen, Bekleidungen aus Gipsplatten und ähnlichen Werkstoffen).
  • Stoffe und Bauteile (Verweis auf DIN 18180 Gipsplatten, DIN 18181 Gips-Wandbauplatten).
  • Ausführung inkl. Plattenbefestigung, Stoßausbildung, Anschlüsse.
  • Nebenleistungen: Einrichten, Abdeckungen, Schneiden, Fugen verspachteln in Qualitätsstufe Q2 (Standard ohne Vereinbarung).
  • Besondere Leistungen: Q3- und Q4-Verspachtelung, Beplankungen mit erhöhten Anforderungen, Brand- oder Schallschutznachweise.
  • Aufmaßregeln: Wandflächen aus Achsmaß, Türöffnungen ab einer Größe (siehe unten) extra abzuziehen.

Wer eine Position „Spachtelung” sieht, sollte sofort nach der Q-Stufe scrollen — der Unterschied Q2 zu Q3 ist betriebswirtschaftlich der Unterschied zwischen Gewinn und Drauf­zahlen.

Plattenarten — was wofür?

KürzelBezeichnungEinsatz
GKBGipsplatteStandard, trockene Räume
GKFfeuerhemmend (Glasfaserarmiert)Brandschutzwände F30/F60/F90
GKBIimprägniert (grün)Bad, WC, Küche — Feuchteräume
GKFIfeuerhemmend + imprägniertBrandschutz im Feuchtebereich
DiamantHochverdichtete GipsplatteSchallschutz + Brandschutz + Aufprall
Vidiwall/FermacellGipsfaserplattetragend, abriebfest, höhere Lasten

Standardstärke ist 12,5 mm, im Brandschutz oft 15 mm GKF, bei Schachtwänden bis 25 mm GKF.

Wandtypen W11x — die wichtigsten Codes

Die Knauf-/Saint-Gobain-Wandnomenklatur ist branchenweit etabliert:

  • W111: einfach beplankt, einfaches Ständerwerk (CW50 oder CW75) — Standardtrennwand.
  • W112: doppelt beplankt, einfaches Ständerwerk — Schallschutz, Wohnungstrennwand.
  • W113: dreifach beplankt — F90, Wohnungstrennwand mit hohen Anforderungen.
  • W115: doppelt beplankt, doppeltes Ständerwerk — Wohnungstrennwand schwere Anforderung.
  • Schachtwand W628: einseitig beplankt, hohe Stabilität — Installationsschacht.

Kalkulationsbeispiel W112-CW75 mit Mineralwolle

Eine Wohnungstrennwand W112 mit CW75-Profilen, 60 mm Mineralwolldämmung und beidseitig 2 × 12,5 mm GKB. Bandbreiten Frühjahr 2026:

PositionMengeEPSumme je m²
CW-Profil 75 mm (gemittelt 0,4 lfm/m² Wand)3 EUR/m²3,00 EUR
UW-Profil 75 mm0,60 EUR/m²0,60 EUR
Mineralwolle 60 mm WLG 0351 m²3–4 EUR/m²3,50 EUR
GKB 12,5 mm, 4 Lagen (2 × beidseitig)4 m²1,6 EUR/m²6,40 EUR
Schrauben, Dichtband, Eckschutzpauschal1,00 EUR
Verspachtelung Q3 beidseitig2 m²3,50 EUR/m²7,00 EUR
Lohn 0,5 Std/m² × 55 EUR/h0,5 h55 EUR/h27,50 EUR
EKT pro m² Wand~49 EUR

Mit Zuschlägen BGK 8 %, AGK 9 %, WuG 6 % (≈ 25 % multiplikativ) landet man bei rund 62 EUR/m² Angebotspreis. Das deckt sich mit dem, was im Wohnungsbau für saubere W112 mit Q3 marktfähig ist.

Spachtelqualitäten Q1 bis Q4

Die Q-Stufen nach Bundesverband der Gipsindustrie / Merkblatt Nr. 2 sind:

  • Q1: Grundverspachtelung der Fugen, Schraubenköpfe abgedeckt. Nur für Bereiche ohne optische Anforderung (Vorwände hinter Fliesen, hinter Schränken).
  • Q2: Standard. Fugen verspachtelt und geschliffen, Übergang zur Plattenfläche. Geeignet für matte Anstriche, raue Tapeten, mittlere Beleuchtung.
  • Q3: Erweiterte Verspachtelung. Dünnschichtspachtel über die Fugen hinaus, Plattenfläche teilweise gespachtelt. Geeignet für glatte Tapeten, matte Anstriche bei mittlerer Beleuchtung.
  • Q4: Vollflächige Verspachtelung. Pflicht bei Streiflicht, glänzenden Anstrichen, glatten Oberflächen. Faktor 2–3 gegenüber Q2.

Wer eine Position „verspachteln” liest und nicht prüft, ob Q-Stufe genannt ist, liefert nach DIN 18340 nur Q2 — was in modernen Bädern mit LED-Streiflicht regelmäßig zu Mängelrügen führt.

Vorsatzschalen und abgehängte Decken

Vorsatzschale: einseitig beplanktes Ständerwerk vor einer Bestandswand. Typischer Einsatz: Schallschutz aufrüsten, Installationen führen, Wärme­dämmung ergänzen. Lohnansatz ähnlich W111, EKT ohne zweite Beplankung 35–45 EUR/m².

Abgehängte Decke:

  • Direktabhängung über Schwingbügel: ca. 35–45 EUR/m² EKT inkl. Beplankung GKB 12,5.
  • Hängestiel (klassisch, höhenverstellbar): ca. 40–55 EUR/m².
  • Schall­decke mit Diamant- oder Doppellage: ab 60 EUR/m² EKT.

Stundenansatz Decke: 0,6–0,9 Std/m² je nach Höhe und Abhängelänge. Über 3,5 m lichte Höhe wird Gerüst zur eigenen Position.

Aufmaß: was bei Türen wirklich abgezogen wird

Nach DIN 18340 werden Wandöffnungen unter einer Schwelle übermessen. Maßgeblich ist die Größe der Einzelöffnung. Türen werden in der Regel ab 2,5 m² Einzelöffnung abgezogen — was bei der typischen 88,5 × 213,5 cm Wohnungstür (= 1,89 m²) bedeutet: die Tür wird übermessen, der Trockenbauer rechnet die Fläche voll ab.

Das ist kein Trick, sondern die Bezahlung für die Profilfutter, das Türsturzprofil und den Mehraufwand am Stück. Wer Türen unkritisch einzeln abzieht, verliert pro Wohnung 5–10 m² Wandfläche.

Wände werden aus Achsmaß abgerechnet — von Wandachse zu Wandachse, also inklusive der halben Wandstärke der anschließenden Wand. Auch das ist eine Übermessungsregel zugunsten des Ausführenden.

Pitfalls aus der Praxis

  1. Q-Stufe nicht geprüft — Q3-Pflichtbeschreibung steht oft im Vorbemerkungsteil, nicht in jeder Position.
  2. Brandschutz-Anforderung in der Hauptbeschreibung übersehen — F30 mit GKB statt GKF gespart? Mangelhaft, Rückbau.
  3. Stoßfugen nicht eingerechnet — H-Stoßfugen im Wandfeld brauchen zusätzlich Spachtel und Bewehrungsstreifen.
  4. Fugenband und Eckschutz — bei Q3/Q4 unverzichtbar, oft als Nebenleistung übersehen.
  5. Wohnungstrennwand mit W111 angeboten — Schallschutz nach DIN 4109 fordert i.d.R. mindestens W112, oft W115.
  6. Decken-Abhängelänge — kurze Abhängung (< 150 mm) braucht Direktabhänger, lange Abhängung braucht Hängestiele. Falsche Lösung = Mehrkosten oder Mängel.
  7. Begehbare vs. nicht begehbare Decke — bei Dachgeschossen und Speicher kommt eine eigene Spezifikation hinzu.

Bei einem LV mit 200+ Trockenbau-Positionen ist die Q-Stufen-Prüfung manuell aufwendig. Tools wie Vergabescanner lesen die Vorbemerkungen mit aus und ordnen Q-Stufen, Brandschutzklasse und Schallschutzanforderung automatisch den richtigen Positionen zu.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen W112 und W115?

W112 ist doppelt beplankt mit einfachem Ständerwerk (1× CW). W115 ist doppelt beplankt mit doppeltem Ständerwerk (2× CW versetzt). W115 erreicht deutlich besseren Schallschutz (Rw’ bis 60 dB statt ca. 53 dB bei W112) und wird im Wohnungstrennwandbau mit höheren Schallschutzanforderungen verwendet.

Wann ist Q4 wirklich notwendig?

Bei Streiflicht (große Fensterflächen, hängende Lampen mit flachem Winkel), bei hochglänzenden Anstrichen oder Lacken und bei Räumen, in denen kein Putz verziehen würde. Im normalen Wohnungsbau ist Q3 üblich, im hochwertigen Innenausbau (Hotel, Praxis) und bei Streiflicht ist Q4 Pflicht.

Wie viel Verschnitt bei GKB-Platten?

Im rechteckigen Wohnungsbau 5–8 %. Bei verwinkelten Decken und Schrägen 10–15 %. Großformat-Platten (2,6 m oder 3 m) reduzieren Schnitt und Spachtelaufwand, sind aber im Treppenhaus oft nicht handhabbar.

Welcher SVS ist marktüblich?

Mittellohn für Trockenbau-Kolonnen liegt 2026 typisch bei 28–34 EUR/h Kalkulationslohn. Mit Lohnnebenkosten, BGK, AGK und WuG ergibt das einen SVS von 50–60 EUR/h, im Tiefbau-/Großstadtumfeld auch deutlich höher.

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